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Samu und Soji

… sind ein Bindeglied zwischen der Praxis im Dojo und unserem Alltag und daher ein wichtiger Bestandteil der Zen-Übung. In der konkreten Handlung erfahren wir unsere Beziehung mit den Dingen. Wenn wir einen Gegenstand sauber machen, nehmen wir ihn in die Hand, reinigen ihn und setzen ihn dann wieder an seinen Platz. Dadurch drücken wir unsere Wertschätzung und Dankbarkeit aus.

Das gemeinsame Arbeiten im Haus (Soji) oder im Garten (Samu) eint uns als Sangha, da wir alle zusammen daran mitwirken, unsere Orte der Praxis sauber und klar zu halten. Die manchmal auch anstrengende Arbeit im Garten hilft uns unsere Körper nach langem Sitzen wieder in Bewegung zu bringen und geistige Prozesse auch körperlich „durchzuarbeiten“.

Der Kô Getsu An bietet die wunderbare Möglichkeit, Zeit in und mit der Natur zu erleben und die Praxis des Weges zu gestalten. Manchmal würden wir vielleicht lieber Pause machen, als Gemüse zu schneiden, den Hof zu fegen oder die Toiletten zu reinigen. Sich mit einem kleinen Läppchen jedem Quadratzentimeter seiner Umgebung zu widmen, reinigt jedoch auch den Geist und bietet uns Erholung in anderer Form. Gerade „nur dies“ zu tun, was mir vom Samu-Verantwortlichen aufgetragen wurde, befreit mich von den ewigen Überlegungen und Bewertungen, dem Mögen und Ablehnen.

Im Soji/Samu erschaffen wir einen friedlichen Ort. Wir alle gestalten diesen Ort und doch kommt es nicht auf uns an, wie Muhô gerne zu sagen pflegt…

Johanna´s Ordination zur Zen-Nonne

Nachdem ich 2005 die Zuflucht zu Buddha, Dharma und zur Sangha genommen habe und als Laienschülerin ordiniert wurde, empfing ich am Pfingstsonntag, dem 05. Juni 2022, von Zenmeister Christoph To Toku Rei Ho Hatlapa die Vollordination als Nonne.
Zur Ordination habe ich den Namen TO JAKU erhalten. To steht für Pfirsichblüte und bekräftigt meine Zugehörigkeit zum Tempel To Gen Ji. Jaku bedeutet Stille.

Mein Dharmaname lautet nunmehr TO JAKU HO KA.
Ho Ka ist mein Dharmaname, den ich zur Laienordination erhielt und bedeutet Gipfel und Blume.

Christoph sagt, damit bin ich jetzt eine „Profinonne“. Das heißt aber nun gerade nicht, dass meine Praxis in irgendeiner Weise professioneller oder wertvoller ist, als sie vorher als Laienordinierte war. Es ist vielmehr ein erneuertes Versprechen an mich selbst und an die Sangha, mein Leben und Wirken voll und ganz in den Dienst von Buddha, Dharma und Sangha zu stellen.

Die Zeremonie, die am Pfingstsonntag in meinem Muttertempel, dem To Gen Ji in Steyerberg stattfand, war sehr bewegend. Ich hatte das große Glück, dass ein junger Mann chinesischer Herkunft, der in China mit der Chan Praxis begonnen hatte und zur Zeit in Kassel studiert, an diesem Tag im To Gen Ji Zuflucht nahm zu Buddha, Dharma und zur Sangha. So war die Zeremonie nicht nur generations- sondern auch traditionsübergreifend. Einmal mehr erfüllte mich Christophs wertschätzende und offene Haltung, die er in seinem Teisho über die in China wieder aufblühenden Chan Praxis vermittelte, mit Freude.

In unserer Tradition lesen wir zur Zufluchtnahme die ersten fünf Silas und zur Laien- und Vollordination auch die weiteren fünf Silas. Unser chinesischer Gast las also die ersten fünf Silas, „die fünf wunderbaren Übungen der Achtsamkeit“ nach einer Übersetzung von Thich Nhat Hanh vor, und ich die weiteren fünf Silas, „die fünf weitergehenden Tugendempfehlungen für Mönche, Nonnen und Laienschüler“ in der mich sehr berührenden Version von Christoph Hatlapa vor.

Alle Vorhaben, nicht zu rührselig zu werden, musste ich schnell über den Haufen werfen. Jedes Wort strömte in einer Wahrhaftigkeit durch mich durch und machte mir den Ernst der Lage bewusst. Da saß ich nun im To Gen Ji, dem von so vielen fleißigen Händen gebauten und gepflegten Pfirsichblüten Tempel – inmitten alter und neuer Zenbrüder und -schwestern, mit denen mich wundervolle, auch aufwühlende und schwierige Erfahrungen verbinden, um mein Versprechen unter (nicht nur meinen) Tränen zu erneuern, diesen Empfehlungen mit aller Kraft zu folgen.

In der 6. Empfehlung heißt es:
„Nicht über die Fehler anderer reden.
Des Leides für die Gemeinschaft bewusst, das durch Reden über die Fehler anderer entsteht, seien es Ordinierte oder Laien, gelobe ich, allen Angehörigen der Sangha zu jeder Zeit mit tiefem, von Herzen empfundenen Respekt zu begegnen. Ich bin entschlossen, jedwedem Klatsch und Tratsch den Boden zu entziehen und Wege zu finden, das Gruppenwesen der Sangha in jedem Mitglied zu achten und zu ehren. Wenn Gedanken der Kritik und Beurteilung anderer in mir auftauchen, bin ich mir darüber im Klaren, dass ich selbst Einfühlung brauche, und dass mich meine Urteile vom lebendigen Leben abtrennen. Ich finde Wege, durch meditative Selbsteinfühlung oder indem ich andere um mitfühlende Anteilnahme bitte, dafür zu sorgen, dass ich meine unerfüllten Bedürfnisse wahrnehme und deren Schönheit mit meinem Herzen sehe. Ich bin mir bewusst, dass ich damit den Gemeinschaftsgeist stärke und zur gegenseitigen Ermutigung beitrage.(…)“

Beim lauten Vorlesen traf mich mit voller Wucht die Schönheit dieser Worte, als wenn ich sie zum ersten mal höre. Ich bin zutiefst dankbar, in Christoph einen Lehrer zu haben, der mich schon so lange auf meinem spirituellen Weg begleitet. Der unermüdlich mit Hingabe und seinem Herzblut unsere Sangha und jedes einzelne Gruppenmitglied unterstützt und mit weisen Worten und Taten den Gemeinschaftsgeist fördert. Jedem Gruppenmitglied der Choka Sangha bin ich dankbar für den Mut, sich ehrlich und aufrichtig miteinander auf den Weg zu machen und dabei nicht nur die eigene spirituelle Entwicklung sondern auch den des Gruppenwesens, alle Tiere und Pflanzen um uns herum einschließend, im Sinn zu haben. Diese Haltung möge auch mein Handeln und Wirken für unsere örtliche Sangha rund um das Bonner San Bo Dojo und unser Kô Getsu An in Blankenbach führen.

Mir liegt das Wohlergehen unserer Sangha sehr am Herzen. Ich bin mir bewusst, dass wir uns dabei mit der Praxis beider großer Zen Schulen, der Soto Schule und der Rinzai Schule, unter einem Dach, großen Herausforderung hingeben. Unter diesen Bedingungen den Gemeinschaftsgeist zu pflegen und zu hegen, dabei nicht in den Vergleich und in die Beurteilung der manchmal unbequem (z.B. zur Wand sitzen) oder unlogisch (warum nur ein so langes Run Up beim Han schlagen?) erscheinenden Rituale und damit der alltäglichen Praxis zu gehen, ist gerade im alltäglichen „klösterlichen“ Tun nicht gerade einfach.

Ich bin überzeugt, dass uns das Handeln im alltägliche Geist dabei eine große Unterstützung und ein Tor ist, dass ich gerne weit offen halte: gemeinsam Gartenbeete bestellen, Apfelkompott kochen, Holz hacken (und dafür vorher einen Ofen einbauen), Wasser holen (oder dafür eine Bewässerungsanlage bauen), Kartoffeln groß ziehen, sie schälen und gemeinsam aufessen, das Haus reinigen – diese alltäglichen gemeinsamen Aufgaben sind für alle gleich, bringen uns zusammen, verbinden uns miteinander. Ich bin zutiefst dankbar, hier einen Ort gefunden zu haben, an dem diese gemeinschaftliche Praxis sich natürlich entwickeln kann. Dabei wird mir meine Verbindung zu Christoph als meinem spirituellen Lehrer und meinem Muttertempel To Gen Ji Kraft geben, aber auch meine Bereitschaft zur Unterstützung der Choka Sangha in Steyerberg unerschütterlich sein.

Während des Pfingst-Sesshin hat Johanna ihre Ordination zur Zen-Nonne im To Gen Ji in Steyerberg empfangen.

Zum Abschluss der Ordination bekräftigte ich meine Entscheidung durch das Vortragen unseres Tempelmanifests (https://choka-sangha.de/tempelmanifest), das unsere Haltung und unser Handeln im Tempel To Gen Ji leitet. Von Herzen und ohne Einschränkung gilt diese Haltung für mich persönlich auch für meinen Einastz für die Praxisorte in Bonn und Blankenbach.

Möge mein Wirken als „Profinonne“ zur stillen Kraftquelle des Gruppenwesens werden.

Johanna To Jaku Ho Ka

1000 Orte der Stille

Mit 1000 Orte der Stille haben Angelika und Lars Segelke aus Bremen eine Webseite ins Leben gerufen, die spirituelle Orte, Lehrer*innen, Veranstaltungen etc. sichtbar machen möchte. Sie schreiben „Unser Ziel ist es, eine „Kultur der Stille“ zu fördern und dafür Transparenz über das bereits bestehende Netzwerk an Orten und Angeboten zu schaffen, so dass diese nach außen hin wahrnehmbarer und verfügbarer werden“.

Das San Bo Dojo und der Kô Getsu An sind nun ebenfalls auf dem Portal vertreten.

Die Umstände zulassen

Teisho zum Sesshin mit Peter Shokan Jansen, Kô Getsu An, 03-2022

Eines Tages fragte ein Mönch Meister Daizui Honshin: „Wenn das ewige Feuer kommt und das Ganze Universum zerstört, wird dann mein Geist ebenfalls zerstört oder nicht?“

Meister Daizui Honshin antwortete: „Es wird zerstört werden.“

Der Mönch erwiderte: „Sollte man dann die Umstände zulassen?“ und der Meister antwortete: „Ja, lass sie zu“.

Dieser Mönch hier scheint in Sorge zu sein über ein ewiges Feuer, was den Tod vieler Menschen und auch seinen eigenen Tod bedeuten könnte.

Seit über 14 Tagen bin ich mit meinen Gedanken immer wieder bei den Menschen in der Ukraine. Ich sitze vor einem Feuer, dass direkt vor meiner Haustür brennt. Und auch, wenn sich das Gedankenkarussel während unserer Zeit hier im Sesshin langsamer dreht, bin ich doch in Sorge um die Entwicklungen in der Welt. Sei es durch Hilflosigkeit, Frustration oder einfach gnadenlose Selbstüberschätzung, die Gefahr einer nuklearen Bedrohung könnte dieses Feuer schnell zu einem noch größeren Feuer werden lassen. In Echtzeit verfolge ich die Eskalation dieses Krieges am Handy, die Nachrichten und versuche die verschiedenen Eindrücke zu sortieren, die über so viele Kanäle auf mich einwirken. Manchmal macht mich diese Fülle an Informationen hilflos, ja ohnmächtig. Der Geist will Position beziehen, will keine Angst haben, will das richtige denken und tun. – „Sollte man die Umstände zulassen?“ Was könnte ich überhaupt tun? Wenn ich feststelle, wie wenig ich tatsächlich weiß und wie begrenzt mein Einfluss ist, verwandeln sich Angst und Sorge schon mal in Wut und schon bin ich selbst mitten im Krieg.

Der Mönch fragt aus seiner subjektiven Perspektive heraus. Was kann ich tun? Wie wird das alles enden?

Wie können wir unser Herz und unseren Geist beruhigen und klar auf die Dinge schauen, um wenn nötig, Entscheidungen zu treffen?

Das Holz vor der Zendo trägt die Schriftzeichen „mujô“ (無常) und ruft uns dazu auf, uns immer wieder mit dem universellen Gesetz der Unbeständigkeit zu beschäftigen. Die Zerstörung des gesamten Universums ist eine Tatsache. Das ewige Feuer meint eben diese Vergänglichkeit, das ständige Werden und Vergehen.

Gut und Böse, alles wird vergehen.

Haben wir Sorge, wenn dies auch unseren eigenen Geist, unser eigenes Leben betrifft?

Ich möchte nicht das meine Worte zynisch klingen oder das Leid der Menschen in der Ukraine und auch der russischen Soldaten relativieren. Doch ich möchte Vertrauen üben in die objektive Perspektive des Meisters, der sagt: „Ja, es wird zerstört“ und „Ja, lass die Umstände zu“.

Wenn wir uns selbst betrachten, stellen wir fest, wie dieses ewige Feuer, von dem der Mönch spricht, auch in uns wirkt. In jedem Augenblick geschieht Wandel, Leben und Sterben. Wir haben darauf keinen Einfluss, wir können die Vergänglichkeit nicht aufhalten.

Wie können wir uns mit dieser Tatsache aussöhnen?

„Die Umstände zulassen“ ist ein berühmter Ausspruch von Meister Joshu. Er rät uns, den universellen Gesetzen zu folgen und nicht zu versuchen, die Wirklichkeit unseren Vorstellungen anzupassen.

Frieden finden wir nur im Kontakt mit der Wirklichkeit, wie sie sich hier und jetzt zeigt. An diesem Ort.

„Die Umstände zulassen“ oder „Körper und Geist fallen lassen, um von den 10.000 Dingen bestätigt zu werden“, wie es Meister Dogen ausdrückt, bedeutet, uns mit der Ohnmacht, mit der Traurigkeit ebenso wie mit der Freude, der Liebe und dem Mitgefühl zu bewegen.

„Die Umstände zulassen“ heißt auch, sich einfach dem Rhythmus der Atmung anzuschließen und zu lauschen. „Von den Dingen bestätigt werden“ bedeutet, dem Boden zu erlauben, uns zu berühren und zu tragen. Sich dem Boden anzuvertrauen und uns sitzend aufrichten zu lassen. – Wenn wir in einem Dialog mit den Dingen sind, bekommen wir auch einen realistischen Blick auf unsere Handlungsmöglichkeiten.

Über unsere Sinne nehmen wir Teil am großen Leben. Wir sehen und sind in eins mit Gesehenem, wir hören und sind in Kontakt mit Gehörtem, dem Klang der Worte, dem Klang der Vögel, wir tasten und spüren den Boden, wir riechen den Geruch des Räucherwerks, schmecken, denken und bilden ein Bewusstsein. – Durch diese Dharmatore treten wir ein in die Wirklichkeit, wie sie ist, gemeinsam mit den Dingen, im gegenseitigen Austausch. In der Begegnung, in diesem Moment, können wir Nicht-Zweiheit erfahren und können das Leben aktiv mitgestalten.

„Die Umstände zulassen“ bedeutet Befreiung und Frieden.

Patrick Ho Kai Damschen

Foto: Günther Bruhn

Du hast keinen Cent aber Du musst bezahlen…

Während unserer diesjährigen Silvester Zen Nacht tauchte wieder einmal die Frage nach dem „Bereuen“ auf und ob dieser Begriff tatsächlich passend gewählt ist und gar eine wörtliche Übersetzung des Wortes „Sange“ meint.

Hierzu habe ich Muho eine Frage gemailt:

„Lieber Muho, vielleicht ist das ja etwas für Deine Zen-Häppchen?! Es geht um das Sange Mon (jap. 懺悔文?), was wir mit Reue-Vers übersetzen. Da der Begriff der Reue im christlichen, westlichen Kontext oft mit Schuld, Scham und Strafe besetzt ist, interessiert mich, wie „die Reue“ (Sange) im japanischen, asiatischen Verständnis gemeint ist? Manche Menschen entwickeln sofort Widerstände gegen den Text und das behindert dann eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Bereuen (zu stark?) oder Bedauern (zu schwach?) oder dem Verantwortung übernehmen. Wir sind daran interessiert, für unsere Sangha einen Ausdruck zu finden, der einen guten Zugang zu dem Thema offen lässt. Wie wäre Deine Übersetzung?

Hier der Text:

GASHAKU SHOZO SHOAKUGO
KAIYU MUSHI TONJINCHI
JUSHIN GUI SHI SHOSHO
ISSAI GAKON KAI SANGE

我昔所造諸悪業(がしゃくしょぞうしょあくごう)
皆由無始貪瞋痴(かいゆうむしとんじんち)
従身口意之所生(じゅうしんくいししょしょう)
一切我今皆懺悔(いっさいがこんかいさんげ)

Hier Muho´s Antworten:

Teil 1: Welche Rolle spielen Schuld und Reue im Buddhismus?

Teil 2: Als Bodhisattva aufstehen, als Normalbürger zu Bett gehen?

Weitere Videos findet Ihr auf Muho´s YouTube Kanal…

Ko Getsu An – Einsiedelei klarer Mond

Ein Herz werden! Ein wunderbares und kraftvolles Sesshin im Zen Haus Blankenbach liegt hinter uns. Obwohl wir einige Teilnehmende schmerzlich vermisst haben, da sie uns krankheitsbedingt kurzfristig absagen mussten, fügte sich eine Gruppe von 12 Menschen in kurzer Zeit zu einer harmonischen Einheit zusammen. Christoph Rei Ho Hatlapa Roshi leitete das Sesshin in seiner wunderbar einfühlsamen und oft humorigen Weise. Er inspirierte uns mit einem Teisho, in dem er ausführlich den Lebensweg und die Lehre Bodhidharmas vor uns ausbreitete und es gab für alle Gelegenheit zum Dokusan.

Zum Abschluss des Sesshins folgte am Sonntag die Einweihungszeremonie, zu der wir noch weitere Gäste herzlich begrüßen durften. Nach einigen eindruckvollen Zeilen aus dem Línjì-lù (jap. Rinzai-roku) und einem durchdringenden Katsu-Schrei, ließ uns Christoph Rei Ho am Leben von Linji Yixuan und Tōzan Ryōkai teilhaben, den Gründern der Rinzai und Soto Schulen des Zen, durch die uns das wahrhaftige Zen bis in unsere heutige Zeit überliefert wurde. Nachdem wir am Samstag den Ruf der Kraniche hören konnten, die so nahe waren, als wären sie direkt auf dem Dach der Zendo gelandet, war nicht nur Christoph Rei Ho klar, dass wir mit dem Zen Haus Blankenbach einen wunderbren Ort gefunden haben, um das Buddha-Dharma in einem weiten Geist der Ökumene zu praktizieren und weiterzugeben.

Bei einem Glas Sekt in freudiger Runde, wurde schließlich die große Eichenbohle über dem Eingang angebracht, auf die Christoph Rei Ho den Namen des Zen Haus Blankenbach kalligrafiert hatte:

Ko Getsu An – Einsiedelei klarer Mond

Der Mond ist für alle Zen Traditionen ein Symbol des erwachten Geistes. Wie ein Spiegel läßt er sich vom Licht der Sonne berühren und macht es in dunkler Nacht sichtbar. So ist es unser Wunsch Menschen aus allen (Zen-) Richtungen willkommen zu heißen und einen Raum zu schaffen, in ihr ursprüngliches Gesicht zu blicken und der Welt mit einem verantwortungsvollen Handeln zu begegnen.

„Die Erleuchtung ist wie der Mond, der sich im Wasser spiegelt. Der Mond wird nicht nass, noch bewegt sich das Wasser. Obgleich sein Licht groß und strahlend ist, spiegelt sich der Mond auch in der kleinsten Pfütze. Der ganze Mond und auch das ganze Universum spiegeln sich im Wassertropfen auf einem Grashalm.“ (Dogen)

„Den Umständen gemäss manifestiert der wahre Mensch eine Form, wie der Mond im Wasser.“ (Rinzai)

Danke an alle, die uns bei der Vorbereitung des Sesshins und der Zeremonie geholfen haben, an alle Freunde und Unterstützerinnen und alle Dharma-Vorfahren.

Wenn Ihr der Ko Getsu An oder dem San Bo Dojo eine Spende zukommen lassen möchtet, laden wir Euch herzlich ein, diese an die Bankverbindung des Zen Dojo Bonn e.V. (IBAN: DE79 3806 0186 1304 3600 18) zu senden.

Herzliche Grüße,

Patrick Ho Kai und Johanna Ho Ka

Bodhisattva-Ordination im Zen Haus Blankenbach

Die Jukai-Zeremonie oder Bodhisattva-Ordination markiert den Eintritt auf den Buddha-Weg und ist ein wichtiger Schritt im Leben eines Zen-Praktizierenden.

Am letzten Wochenende im August haben zwei Mitglieder unserer Sangha im Zen Haus Blankenbach die Ordination durch Zen-Meisterin Eveline Kogen Pascual empfangen. Beide hatten während der letzten Wochen und Monaten unter Anleitung ihr Rakusu genäht, welches die kleine Variante des Kesa, des Gewands Buddhas darstellt. Mit der Zufluchtnahme drücken die beiden ihr Vertrauen in die Drei Schätze, Buddha, Dharma und Sangha aus und nehmen die Gebote „Kai“ und die Bodhisattva Gelübde als Richtschnur für ihr künftiges Leben an. Darüber hinaus haben Gero So Sen und José Shin Gyo von Eveline Kogen ihre Dharma-Namen. Wie die Gebote unterstützen sie den innernen Prozess und die Reifung auf dem Zen-Weg.

Wir freuen uns sehr, dass Eveline Kogen unserer Einladung ins Zen Haus Blankenbach gefolgt ist und das Ritual im „Heimat Dojo“ der beiden durchgeführt hat.

Zen und Wandern im Pleiser Ländchen

„Die Stimme des Tals ist Buddhas weite und lange Zunge,
die Form der Berge nichts anderes als sein reiner Körper.
Vierundachtzigtausend Verse erklingen in der Nacht,
wie kann ich dies an einem anderen Tag den Menschen sagen?“

Diesen Vers von Soshoku zitiert Dogen im Kapitel Shobogenzo Keisei sanshiki, die Stimme des Tals und die Form der Berge und so machten wir uns am Sonntag, 25.07.2021 auf, um die Gegend um das Zen Haus Blankenbach zu erforschen und den vierundachtzigtausend Versen zu lauschen.

Nach einem morgendlichen Zazen gingen wir teilweise im Schweigen, teilweise gab es Gelegenheit zum Kennenlernen und für Austausch. Das Pleiser Ländchen bietet ein eindrucksvolles und abwechslungreiches Panorama. Mal führte der Blick in die Weite über Felder und Weiden, mit der Aussicht auf den Ölberg. Durch kleine Ortschaften führte der Weg, durch Wäldchen, in die Täler und vorbei an gurgelnden Bächen. Wieder in ihr normales Bachbett zurück gekehrt, konnten wir auch hier die teilweise grossen Auswirkungen der Starkregengüsse von vor einigen Wochen beobachten, die einiges an Zerstörung und Müll in der Natur hinterlassen hatten. Vom Regen verschont und von der Sonne gebraten, machten wir mehrmals Rast an kleinen Kapellen, um uns mit Wasser und Proviant zu versorgen. Am Nachmittag erreichten wir wieder das Zen Haus Blankenbach und schlossen die Wanderung mit einer kurzen Runde Zazen auf der Terrasse ab. Mit Kaffee und Kuchen endete ein schöner gemeinsamer Tag und erst ganz am Ende gab es dann auch noch etwas Regen…

Danke an Johanna für die grossartige Planung der Route und Joachim für die Fotos.


„Buddhas Zunge erlahmt niemals, noch existiert sein Körper nur einmal und verschwindet dann wieder. Die Bodhisattvas, die heute nach der Wahrheit streben, sollten durch dieses Tor des Lernens treten und bei fließenden Bergen und nicht-fließendem Wasser beginnen… Wenn Ihr so übt, werden Euch die Form und die Stimme des Tales und die Form und die Stimme der Berge keinen der vierundachtzigtausend Verse vorenthalten“.

(Dogen Zenji, Shobogenzo Keisei sanshiki)